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Weniger Lebensmittel im Müll

Weniger Lebensmittel im Müll

Lebensmittel sind keine Waren wie alle anderen. Sie stillen zum einen die elementaren Bedürfnisse Hunger und Durst, sorgen darüber hinaus aber auch für Entspannung, für Geselligkeit und sie schenken Kraft. „Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Und deshalb haben sie unsere tägliche Wertschätzung verdient”, sagt die Bundesministerin für Ernährung, Ilse Aigner. Weil jede Nahrung wertvoll ist, wendet sich die Ministerin entschieden gegen das Wegwerfen und Verschwenden von Lebensmitteln. Schätzungen zufolge gehen jedoch zwischen 20 und 75 Prozent der Lebensmittel zwischen Produzent und Konsument verloren. Ausmaß und Gründe der globalen Nahrungsmittelverluste beleuchtet der internationale Kongress „Save Food” am 16. und 17. Mai 2011 in Düsseldorf. Die Protagonisten der Lebensmittelproduktion, des Handels und der Verpackungsindustrie werden auch beraten, durch welchen Beitrag Verpackungen innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette Nahrungsmittelverlusten entgegenwirken können. Zentral sind dabei die Ressourcenschonung durch hygienische und mechanische Sicherung sowie Schutz vor vorzeitigem Verderb und Transportfähigkeit.

Während in Entwicklungsländern der größte Teil der Nahrungsmittelverluste durch unterentwickelte Produktions-, Konservierungs-, Verpackungs- und Marketingmethoden sowie falsche Lagerung, schlechte Transportbedingungen und mangelhafte Infrastrukturen entsteht, fällt in den entwickelten Ländern und Industrieländern der überwiegende Teil der Lebensmittelverluste auf Verbraucherebene an. Schätzungsweise werden EU-weit jährlich über 70 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen, das sind 300 Kilogramm pro Kopf. Viele Menschen haben den Respekt vor Nahrungsmitteln verloren oder können nicht richtig mit ihnen umgehen. Diese Verschwendung will die Verpackungsindustrie mit auf den Verbraucher zugeschnittenen Verpackungskonzepten bekämpfen.

Auch Hilfsorganisationen wie die Tafel bekämpfen das Problem zwischen Überfluss und Mangel. Sie sammeln nicht mehr benötigte Lebensmittel und geben sie an Bedürftige. Dazu gehören Lagerbestände mit bald ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum, Backwaren vom Vortag, Überproduktionen, falsch verpackte Ware oder Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. „Mit einwandfreien Produkten, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Handel gar nicht erst erreichen oder hier nicht den erhofften Absatz finden, können die Tafeln hunderttausenden Menschen helfen”, sagt Gerd Häuser, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. Die gemeinnützigen Tafeln sind damit eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit. Positiver Nebeneffekt für die Umwelt: Die Menge an Müll wird reduziert.

Doch auch durch nachhaltige Verpackung und richtige Portionierung kann Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Zum einen schützen bessere Verpackungen die Nahrung vor Verunreinigungen und Verderben, sodass die Produkte beim Verbraucher unversehrt ankommen. Zum anderen können kleine Portionen und maßgeschneiderte Verpackungen sinnvoller sein als Großverpackungen, weil der Verbraucher das Produkt dann eher vollständig isst oder trinkt. Dabei müssen die Verpackungsunternehmen die sich ändernden Konsumgewohnheiten, den gesellschaftlichen Wandel, die demographischen Faktoren und den modernen Lebensstil mit in Betracht ziehen. Singlehaushalte in Städten benötigen andere Produktmengen als Familien auf dem Land, ältere Menschen möchten andere Produkte essen als junge Menschen.

Immer mehr Verbraucher wollen sich bewusst ernähren und betrachten dabei auch die Ökobilanz ihrer Nahrungsmittel. Analysen der kompletten Wertschöpfungskette vom Lebensmittelanbau bis zum Konsum zeigen, dass beim ökologischen Fußabdruck die Verpackungen meist von untergeordneter Bedeutung sind. „Lebenszyklusanalysen zeigen, dass der Ressourcenaufwand für Verpackungen in der Wertschöpfungskette vom Lebensmittelanbau bis hin zum Angebot im Supermarkt und dem Konsumverhalten des Einzelnen eher von untergeordneter Bedeutung ist”, sagt der Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie, Stefan Glimm. Lasagne-Fertiggerichte etwa werden meist in Aluminium verpackt, da es hitzebeständig, wärmeleitend, biegsam und leicht ist. Nach einer Studie des Düsseldorfer Aluminiumverbandes spielt die Verpackung in Bezug auf zehn Umweltindikatoren kaum eine Rolle, weder bei der Energiebilanz, noch bei der globalen Erderwärmung, dem Abbau der Ozonschicht oder der Überdüngung. Viel größeren Einfluss haben die Herstellung des Fleisches, die Tiefkühllagerung und die Zubereitung im Ofen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Studien bei Butter, Joghurt oder Schokolade, bei denen die Produktherstellung jeweils einen weit größeren Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck hat als die verwendete Verpackung. Bei Kaffee wiederum kommt es vor allem darauf an, wie viel überflüssiges Wasser erhitzt wird und nicht darauf, wie die Kaffeeverpackung hergestellt wird. „Das Konsumverhalten hat vielfach größere Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit eines Produktes als seine Herstellung”, bilanziert Glimm.

Nichtsdestotrotz rückt für die Verpackungsindustrie die Ressourcenschonung entlang der ganzen Lieferkette immer weiter in den Vordergrund. So wurden die Auswirkungen von natürlichen Korken und Schraubverschlüssen bei Weinflaschen untersucht. Erstaunliches Ergebnis: Die Eigenschaften des Verschlusses sind um ein Vielfaches bedeutsamer für die Umweltbilanz als seine Herstellung. Denn der Korkverschluss versagt häufig, sodass der Wein ungenießbar wird. Weinflaschen mit Korkverschluss weisen einen Verlust von 2 bis 5 Prozent auf, während bei Weinflaschen mit Schraubverschluss nur 0,2 bis 0,5 Prozent verloren gehen. Insgesamt ist damit die CO2-Bilanz von Weinen mit Korken doppelt so schlecht wie diejenige von Weinen mit Schraubverschlüssen.

 

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